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Mulholland Madness

2. October 2013

“If you ever want to fly – Mulholland Drive up in the sky. Stand on a cliff and look down there. Don’t be scared, you are alive.”

— R.E.M, “Electrolite”

Auch nach zwei Tagen kann ich die Topografie von Los Angeles noch nicht greifen. Ein Blick auf die Karte ist völlig unnütz. Gerade hier in Hollywood, wo die Santa Monica Mountains das San Fernando Valley vom Rest der Stadt abtrennen, geht sämtliche Orientierung verloren: Scheinbar lange Strecken sind plötzlich kurz, kurze Wege entpuppen sich zur Odyssee. Und immer wenn ich denke, das Hollywood Sign müsste links sein, taucht es rechts auf.

Kaum etwas verkörpert dieses bizarre Stadtbild wie der Mulholland Drive. Nicht erst seit David Lynchs eher mittelmäßigen Film berühmt, ist diese  zweispurige Straße über den Kamm der Mountains ein Wahrzeichen der Stadt und ebenso ambivalent und wild.

Nach meinem Besuch im Getty Center führt mich der Weg zu meinem Gastgeber – einem Filmeditor – in den Hollywood Hills zufällig über den Mulholland Drive. Wenn auch nur über einen Teilabschnitt: Insgesamt sind der Drive und der anschließende Mulholland Highway 80 Kilometer lang, mit einem Teil in der Mitte, der nicht für Autos freigegeben ist.

Die rund 16 Kilometer vom Sepulveda Boulevard bis zum Anfang am Cahuenga Pass in West Hollywood sind jedenfalls die bekanntesten. Kleine, enge Straßen führen rechts und links hinab und verlieren sich in noch kleineren Wegen wie die Verästelungen eines Baumes. Große, protzige Villen, fragile fast schäbige Holzhäuser und Aparment-Komplexe wechseln sich auf den Flanken des Hügels ab. Mein Versuch, einen Abstecher in den Beverly Glen Park zu machen landet gleich mehrfach vor verschlossenen Toren mit einschüchternden Schildern und Kameras: Private Street. Do Not Enter. 24h Guard on Patrol. No Parking. Selbst Google Maps weiß hier nicht weiter. Vielleicht liegt auch hier der Erfolg von Los Angeles: Die Stadt macht es seinen Prominenten leicht, in den Hügeln abzutauchen, einzig mit dem Rest verbunden durch Mulholland, der Nabelschnur.

Also wieder zurück auf die Serpentinen. 20 mph sind erlaubt, aber erst ab 30 macht es wirklich Spaß. Eine Achterbahn in Disneyland heißt nicht von ungefähr “Mulholland Madness”. Es ist ein wahnwitziger Ritt am späten Nachmittag, wenn die Sonne tief steht und immer wieder hinter den nächsten Kurven hervorlugt und eine großartige Aussicht bietet: Studio City, die Heimat von Universal und Co. auf der einen Seite der Straße, die Wolkenkratze von Downtown L.A. auf der anderen. Wer Los Angeles sehen möchte, muss über den Mulholland Drive fahren.

Am Besten gleich bis nach Malibu.

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