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The Show Must Go On

3. October 2013

Shutdown. Das Wort allein vermittelt Stillstand, Lähmung, Blockade, Ende. Seit Anfang des Monats liegt die US-Verwaltung still. Da sich der Kongress nicht auf einen Haushaltsetat einigen konnte, setzt die Bürokratie bis auf weiteres aus. Mehr als 800.000 Beamte sind davon betroffen, darunter Museumswärter und Parkwächter. Die Folge: Orte wie Fort Point in San Francisco, die ich vor einer Woche noch besuchte, sind bis auf weiteres geschlossen. Wie lange? Das weiß keiner. Der letzte Shutdown vor 18 Jahren dauerte rund vier Wochen.

Von einem “Drama” und “Ausnahmezustand”  sprechen die deutschen Medien. Die Republikaner hielten mit ihrer Blockade das “Land in Geiselhaft”, heißt es. Man stellt sich dabei ein Land vor, das in die Anarchie abdriftet, weil die Beamten und weitere Staatsbedienstete (weitestgehend unbezahlt) zuhause bleiben müssen. Eigentlich ein witziger Gedanke, nächste Woche wie einst Kurt Russell in Flucht aus L.A. der Stadt entkommen zu müssen. Brennende Mülltonnen und Neonlicht im Regen.

Einzig: Die Folgen im Alltag sind kaum zu sehen, schon gar nicht hier in Los Angeles. Das liegt zum einen daran, dass der Shutdown das Land zwar zunehmend finanziell belastet, aber längst nicht alle davon betroffen sind. Ironischerweise ist es ausgerechnet der Föderalismus der USA, der dem Shutdown teilweise entgegenwirkt: Wie auch ich feststellen musste, gibt es beispielsweise sowohl National- (wie etwa Yosemite) als auch Stateparks, wobei letztere zahlenmäßig überwiegen. Sie sind von den Schließungen nicht betroffen, da sie vom jeweiligen Bundesstaat finanziert werden.

Zum anderen ist fast die komplette Kulturindustrie der USA längst in der Hand von Stiftungen, privaten Eigentümern oder Unternehmen. Staatliche Museen und Theater gibt es nur noch vereinzelt. Institutionen wie das Getty Center, das Griffith Observatorium (großartig!) oder das Los Angeles County Museum of Art (LACMA), immerhin Inhaber der größten Kunstsammlung westlich von Chicago, sind in ihrem Betrieb dagegen ebenfalls nicht eingeschränkt.

Auch die Shows in Hollywood gehen fleißig weiter. Als ich über den mehr als trostlosen Walk of Fame schlendere, vorbei an erstaunlich vielen Leerständen, an den Bettlern und Obdachlosen, den in abgewetzten Kostümen posierenden Schaustellern, locken die zahlreichen Comedy- und Schauspielclubs mit ihren Shows. In Universal City rattern die Achterbahnen. Auf dem Sunset Boulevard öffnen am Abend die Clubs. Die Touristen fotografieren. Die Tourbusse dröhnen vorbei. In den Theatern und Musicals proben die Akteure. Die Menschen stehen Schlange.

So ein Shutdown stört in Los Angeles niemanden wirklich. Die Unterhaltungsindustrie hat sich unter der Hand der Investoren, Eigner und Mäzen ihren eigenen Rettungsschirm gebastelt. The show must go on. Buchstäblich.

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